SV Grohn - Newsartikel drucken


Autor: Matthias Guenther
Datum: 10.05.2021


Mehr als den Klassenerhalt im Visier

Mehr als den Klassenerhalt im Visier

von Jens Pillnick - Die Norddeutsche - 03.05.2021

Jan-Philipp Heine steht beim SV Grohn für Kontinuität und sieht die zweite Phase der Aufbruchstimmung

Grohn. Mit zwei Siegen und fünf Niederlagen hatte der SV Grohn in der kürzlich annullierten Spielzeit 2020/21 in der Fußball-Landesliga nicht gerade das hingelegt, was sich als Raketenstart bezeichnen lässt. Aber davon, den coronabedingten Saisonabbruch jetzt als günstige Fügung des Schicksals zu betrachten, ist Jan-Philipp Heine weit entfernt. „Ich gehe nicht davon aus, dass wir weiter unten reingerutscht und es schwierig geworden wäre“, erklärt der „Husaren“-Spielertrainer. Allerdings sagt er auch, dass die Situation mit dem zeitlichen Abstand den man mittlerweile habe, schwer einzuschätzen sei. Immerhin liegt das letzte Punktespiel über sechs Monate zurück, damals setzte es eine 2:8-Niederlage gegen den SC Vahr Blockdiek. Erklärend muss angefügt werden, dass die Nordbremer nicht nur wegen Quarantäne-Maßnahmen geschwächt waren, sondern mit Sinan Asli auch noch einen Feldspieler zwischen die Pfosten stellen mussten.

Besser einschätzen als das, was vor sechs Monaten war und wie es weiter gegangen wäre, lässt sich das Hier und heute. Zwar stellt sich wegen der Pandemie weiterhin die Frage, ob der Pokalwettbewerb noch fortgesetzt werden kann und wann der Startschuss in die neue Saison erfolgen wird, aber der personelle Stand der Dinge lässt Jan-Philipp Heine geradezu in Schwärmen geraten. „Das wird schön. Ich werde die Qual der Wahl haben.“ Der 30-jährige Heine, der beim SV Grohn im Januar 2019 nach einer beruflich bedingten Unterbrechung neu durchstartete und aus der Spieler- in die Spielertrainerrolle gerückt war, hatte damals eine Aufbruchstimmung ausgerufen. Er wähnt sich jetzt dort angekommen, wo er zunächst einmal hinwollte. „Jetzt ist die lange geplante Aufbruchstimmung erkennbar. Ich stelle fest, dass sich jetzt viele Spieler bei mir melden und zum SV Grohn kommen wollen. Ich muss gar nicht mehr gucken, wo ich Leute herbekomme. Früher hatte ich ja teilweise Probleme, elf Leute auf den Platz zu bekommen“, beschreibt Heine die am Oeversberg vollzogene Entwicklung, die gewiss in engem Zusammenhang mit seiner Person steht. Schließlich steht Heine selbst für das, was er fordert: Verbundenheit mit dem Verein. Abgesehen von einem kurzen Ausflug zum Bremer SV ist er bereits seit zehn Jahren bei den „Husaren“, und gerade die Zeiten als Trainer waren nicht unbedingt ein Zuckerschlecken. Die Übernahme des Teams in der Winterpause und anschließend zwei von der Pandemie beeinflusste Spielzeiten haben ihm einiges abverlangt. 

Doch jetzt fährt er offenbar die Ernte ein. Aus dem bestehenden Kader hätten 24 Spieler den Wunsch zu bleiben verkündet, zwei Neuzugänge stehen mit Torjäger Milan Meyer (zuletzt Vatan Spor) und Mittelfeld-Ass Bela Prieß (SV Türkspor) schon lange fest. Weitere Verstärkungen hat Jan-Philipp Heine auf dem Zettel, doch diesen lässt er noch zusammengefaltet. Die betreffenden Spieler müssen sich nach Heines Auskunft noch ihren derzeitigen Vereinen erklären oder warten für den Moment noch den weiteren Verlauf des Amateurfußballs in Zeiten von Corona ab. „Wenn alles klappt, werden wir sieben, acht neue Leute haben“, gibt Jan-Philipp Heine preis. Darunter soll auch ein Torhüter sein, der die Sorgen der „Husaren“ auf dieser wichtigen Position behebt.

Dass sich zwei der auf besagtem Zettel notierten Kandidaten mittlerweile bei ihrem Noch-Verein erklärt und in der Folge dem SV Grohn zugesagt hätten, verkündete am gestrigen Montag Teammanager Torben Reiß. So stoßen vom Bezirksligisten SV Eintracht Aumund mit Markus Murken (32) und Kevin Kujawa (29) zwei erfahrene Defensivspieler zum SV Grohn, für den beide bereits aktiv gewesen sind. Zählt man die verbleibenden Kräfte um Spielertrainer Jan-Philipp Heine und den ebenfalls spielenden Co-Trainer Keisuke Morikami mit den bereits feststehenden Neuen und den weiteren avisierten Verstärkungen zusammen, dann liegt die Kadergröße beim Trainingsauftakt über 30. Und dann hat Jan-Philipp Heine schon vor dem ersten Pflichtspiel die Qual der Wahl und würde den Kader reduzieren müssen. 

Dass sich das Personal noch vor dem ersten Treffen aufgrund von Interessenverschiebungen, die die Pandemie mit sich bringt, reduziert, das glaubt der Grohner Coach nicht. Er habe mit jedem Spieler mindestens zweimal telefoniert, mit einigen auch regelmäßiger. Und dabei erhielt er eben nicht nur die Zusagen für die nächste Spielzeit, sondern auch einen Tenor, den er so wiedergibt: „Die Jungs haben Bock. Sie warten jeden Tag auf ein Signal, auf eine Perspektive, dass man vielleicht zumindest in Kleingruppen trainieren darf. Sie freuen sich darauf, wieder Spaß zu haben und sich im großen Kader beweisen zu können.“ Ein Tenor, dem sich Jan-Philipp Heine nur anschließen kann. Zwar habe er sich immer mal wieder den Plan gehabt, seine Tätigkeit auf die reine Trainerfunktion auszurichten. Doch er habe Blut geleckt, sei fit genug und will weiter auf dem Platz aktiv sei. Wie wichtig seine Klasse und Erfahrung für die „Husaren“ ist, wurde allen vor dem Lockdown vor Augen geführt, als er wegen einen Zehenbruches pausieren musste. Die Einschätzung von Heine kann Teammanager Torben Reiß nur bestätigen: „Alle sind heiß und stehen in den Startlöchern.“

Mehr Quantität und Qualität, aber auch die Kontinuität erlauben es Jan-Philipp Heine nicht nur freudig nach vorne, sondern in der Tabelle auch weiter nach oben zu blicken: „Zuletzt war es ja doch mehr darum gegangen, in der Klasse zu bleiben.“ Aber mittelfristig soll es bei den „Husaren“ nicht nur in der Tabelle vorangehen, sondern auch im Umfeld. Freudig hat Heine registriert, dass die einst so treuen Fans, die sich teilweise abgewendet hatten, wieder da seien. Das hilft. Und was noch helfen könnte und nach Heines Wunsch auf lange Sicht umgesetzt werden soll, sind drei Punkte: Erstens hätte er gerne jemanden, der sich speziell um den Bereich Athletik/Fitness kümmert; zweitens wünscht er sich physiotherapeutische Unterstützung; drittens fände er es mit Blick auf ein professionelleres Auftreten toll, wenn das Team mit zwei Neunsitzern sowie einem Trainerfahrzeug zu den Auswärtsspielen fahren würde. Das spielende Personal für den Aufbruch scheint da zu sein. Die Fans scheinen wieder da zu sein. Und Ideen sind auch da.

Jetzt heißt es: Aus der Aufbruchstimmung am Tag X mit guten Leistungen und Siegen einen realen Aufbruch zu machen. „Das wird interessant“, lässt Torben Reiß durchklingen, dass auch er die „Husaren“ in einer veränderten Rolle erwartet.

Link: Fußball-Landesliga: SV Grohn voller Zuversicht - Lokalsport Die Norddeutsche - WESER-KURIER