SV Grohn - Newsartikel drucken


Autor: Matthias Guenther
Datum: 08.04.2021


Spiel meines Lebens

Die Vielseitigkeit als Türöffner für die Oberliga

Wie Mark Dentler als Spieler des SV Grohn das Interesse von Werders Ex-Profi und Ex-Trainer Wolfgang Sidka weckte.

So ein „Spiel meines Lebens“ bekommt man auf den ersten Blick nicht alle Tage serviert. Für den wegen seiner Mittelfeldsolos und Torjägerqualitäten bekannten und deshalb von den Gegnern gefürchtete Mark Dentler ist die Wahl auf die 1:4-Niederlage des SV Grohn beim FC Oberneuland am 5. Februar 1995 gefallen. „Für mich war das Spiel der Türöffner, um später in der Oberliga zu spielen“, erklärt der heute 51-Jährige und ergänzt, dass die Begegnung vor den Augen von Ex-Werder-Profi und -Trainer Wolfgang Sidka stattfand.

Bei jenem Sidka, der später den Trainerposten beim FC Oberneuland bekleidete, hatte der Auftritt von Mark Dentler einen bleibenden Eindruck hinterlassen und damit die Tür zum höherklassigen Fußball geöffnet. Denn Mark Dentler hatte aufgrund des Spielverlaufs die Gelegenheit bekommen, die ganze Bandbreite seiner Fähigkeiten zu präsentieren und Sidka damit offenbar zu beeindrucken.

Zunächst schickte der viel zu früh verstorbene Trainer Heiko Schröder seinen Allrounder in die Offensive, um gegen den FCO für Entlastung zu sorgen. Dort hatte Dentler zwar gute Szenen und holte auch den von Sven Wolgast zum 1:2 verwandelten Elfmeter heraus, doch der Druck der Gastgeber auf dem schwer bespielbaren Platz „Uppe Angst“ wuchs von Minute zu Minute. Heiko Schröder reagierte und beorderte Mark Dentler aus dem Angriff zurück ins Mittelfeld, als Sechser schlüpfte er nun in die Rolle des Stabilisators vor der Abwehrreihe. Nach rund einer Stunde folgte der nächste Positionswechsel. Nachdem Manndecker Peter „Pepe“ Schmiech mit der Ampelkarte bedacht das Feld verlassen musste und die „Husaren“ obendrauf per verunglückter Flanke das 1:3 kassiert hatten, erhielt Mark Dentler die nächste Sonderaufgabe. Jetzt sollte er die Bewachung von Torjäger Ersan Dogu (fünf Bundesliga-Spiele für Werder Bremen) übernehmen, um größeren Schaden abzuwenden. „Am Ende habe ich Ersan aus dem Spiel genommen“, berichtet Dentler, dass ihm diese Aufgabe vor den Augen Wolfgang Sidkas ebenfalls gut gelungen sei.

Die Saison, in der Mark Dentler sich in den Fokus spielte, war seine vierte und letzte an der Schönebecker Straße, dem früheren Domizil des SV Grohn. „Die Stimmung war immer gut und alle waren ehrgeizig dabei. Und nach den Sonnabend-Spielen gab es immer eine Sause“, blickt Dentler zurück und erinnert an Spielerpersönlichkeiten wie Oliver Düsseldorf, Hartmut Pülm und Peter Danisch. Wie sehr man damals Bock auf Fußball gehabt habe, würde folgendes Beispiel zeigen: „Wir haben uns damals schon eine Stunde vor Trainingsbeginn zum Vier-gegen-zwei getroffen. Das finde ich einzigartig.“ Einzigartig seien auch die Fans und der Platz direkt am Vereinsheim sowie Manager Dieter Finken gewesen. Die Truppe habe sich stetig verbessert und sei fußballerisch und charakterlich „super“ gewesen. Diese „alte Schule“ des Miteinanders gehöre aber längst der Vergangenheit an und ist nach Betrachtung von Mark Dentler seit dem Jahrtausendwechsel „ausgestorben“.

Bis Wolfgang Sidka und Mark Dentler zusammenarbeiteten, vergingen allerdings noch ein paar Monate. Als Sidka im Oktober 1995 den FC Oberneuland als Trainer übernahm, spielte Mark Dentler mittlerweile bei der SG Oslebshausen. Dorthin war er seinem Ex-Trainer Jörg Schröder, der der Vorgänger von Heiko Schröder beim SV Grohn gewesen war, gefolgt. Nun trafen also Dentler als SGO-Spieler und Sidka als FCO-Trainer im Rückspiel der Serie 1995/96 aufeinander. Es war der Tag, an dem verkündet wurde, dass Mark Dentler in der kommenden Saison zum FC Oberneuland – sofern er in die Oberliga Niedersachsen/Bremen aufsteigt – wechseln würde.

Elfer mit Brisanz

Doch um nicht für Unruhe vor dem Spiel zu sorgen, ließ diese Botschaft bis nach dem Abpfiff auf sich warten. Und das war gut so. Denn in dem Spitzenspiel am 30. April 1996 erhielt die SGO beim Stande von 1:0 für den FC Oberneuland einen Elfmeter zugesprochen. Ein Elfmetergeschenk, wie es damals hieß. Mark Dentler schnappte sich den Ball und verwandelte zum 1:1-Endstand. „Wenn das schiefgegangen wäre, hätte die Mannschaft vielleicht gegrübelt ...“, denkt Dentler an diese Situation zurück und steht zu seiner damaligen Entscheidung: „Das würde ich immer wieder so machen. Wenn ich auf dem Platz stehe, will ich gewinnen – fertig.“

Ein paar Monate später gehörte Mark Dentler zum Aufgebot des Oberliga-Aufsteigers FC Oberneuland. Die Hintertür, die er sich offengelassen hatte („Wenn ich es nicht schaffe, gehe ich zur Halbserie zurück zur SGO“), musste er nicht nutzen, denn er wurde Stammspieler und war fester Bestandteil der Dreierkette mit Torsten Rauh und Uwe Kirchner. „Ich wollte mich mit aller Macht durchsetzen“, blickt Mark Dentler zurück und erinnert sich besonders gut an ein Vier-Augen-Gespräch mit Wolfgang Sidka: „Da hat Sidka mich gefragt, auf welcher Position ich am liebsten spielen würde. Und ich habe gesagt: Trainer, ob ich die Nummer zwei oder die Nummer elf bin, ist mir egal, Hauptsache, ich spiele.“ Die Antwort war die richtige. Mark Dentler spielte. Und das von Anfang an mit der Gewissheit des Trainers, dass Dentler praktisch alle Positionen bedienen kann. Das hatte er Wolfgang Sidka ja schließlich am 5. April 1995 bewiesen, als er vor dessen Augen im Laufe von 90 Minuten als Offensivkraft, als Sechser und als Manndecker fungiert und sich dadurch die Tür zur Oberliga geöffnet hatte.

Zur Person

Name: Mark Dentler

Alter: 51

Beruf: Busfahrer im Linienverkehr bei der BSAG

Familienstand: verheiratet mit Bettina, eine Tochter (Sina, 21)

Hobbys: Playstation und Joggen

Vereine: Blumenthaler SV, TSV Lesum-Burgdamm und Lüssumer TV in der Jugend; Lüssumer TV, SV Grohn, SG Oslebshausen, FC Oberneuland, SG Aumund-Vegesack und FC Hansa Schwanewede im Herren- und Altherrenbereich

Link: Spiel meines Lebens: Mark Dentler - Lokalsport Die Norddeutsche - WESER-KURIER (weser-kurier.de)

Bericht aus Die Norddeutsche vom 02.04.2021 von Jens Pillnick