SV Grohn - Newsartikel drucken


Autor: Murtaza Celik
Datum: 11.04.2018


Neues Gelände für die Jacobs University

Erweiterungspläne vorgestellt

Neues Gelände für die Jacobs University

Erst wollte die Grohner Privatuni einen Teil des Oeversberg nutzen, um dort ein Wohnheim für Studenten zu bauen – jetzt soll sie als Ersatz eine Fläche nördlich des Campus bekommen: im Science Park.

Angekündigt hat sich der Grundstückstausch schon länger, jetzt könnte er amtlich werden: Als Ersatz für eine Fläche auf dem Oeversberg, der ihr gehört, soll die Jacobs University ein Gelände nördlich des Campus im Science Park bekommen, um sich zu erweitern. Das geht aus einer Vorlage hervor, über die in dieser Woche der Vegesacker Beirat berät und in der nächsten die Baudeputation entscheiden wird. Stimmen die Fraktionen zu, wären damit jahrelange Verhandlungen inklusive Krisengesprächen zwischen Behörden, Privatuni und Vereinen endgültig beendet.

Seit Oktober 2016 wird darüber diskutiert, wie der Oeversberg an der Friedrich-Humbert-Straße bleiben kann, was er ist – eine Bezirkssportanlage. Und wie die Jacobs University trotzdem nahe am Campus bauen kann, was sie braucht – Wohnungen für Studenten. Es gibt zwar welche, doch reicht ihre Zahl schon länger nicht mehr aus. Nach Angaben der Uni gibt es seit vergangenem Herbst so viele Studenten wie noch nie: 1396. Zuvor waren 1244 Frauen und Männer an der Jacobs University eingeschrieben.

Beschleunigtes Genehmigungsverfahren

Darum soll es jetzt schnell gehen. Auch das geht aus der Vorlage der Baubehörde zum Science Park hervor: Sie schlägt den Fraktionen der Baudeputation ein beschleunigtes Bau- und Genehmigungsverfahren vor. Und setzt darauf, dass die Parteien zuvor einem anderen Punkt zustimmen, der noch wesentlicher ist: den Bebauungsplan für den Science Park zu ändern, um dort den Bau von Wohnungen für Studenten überhaupt erst möglich zu machen. Bisher ist dort ein Wohnheim nämlich nicht zulässig.

Ein Überblick über das Gelände.
Ein Überblick über das Gelände. (STV)

Es wäre das zweite Mal, dass die Vorgaben für das Gelände, das im Süden an die Uni grenzt, im Norden an die Steingutstraße, im Westen an die Bruno-Bürgel-Straße und im Osten an den Grohner Friedhof, verändert würden. Und auch das zweite Mal, dass die Privatuni ein Ersatzgelände für eines ihrer Grundstücke bekäme – eine Tauschfläche für eine Tauschfläche sozusagen. Den Oeversberg bekam die Jacobs University für ein anderes Gelände, das sie vor Jahren abgegeben hat.

Das Sondergebiet im Science Park, für das ein beschleunigtes Bau- und Genehmigungsverfahren gelten soll, misst laut Vorlage 3,4 Hektar. Auf der Fläche soll demnach als erstes das Wohnheim gebaut werden, das in dem Papier als College-Neubau bezeichnet wird. Welche Dimensionen es hat, geht aus der Vorlage der Baubehörde nicht hervor. Fest steht ihr zufolge nur, dass mit den Arbeiten "möglichst umgehend" begonnen werden soll. Und dass der Bau in Kooperation zwischen der Jacobs University und einem Investor entstehen wird.

Dass er Interesse hat, mit der Privatuni ein College zu entwickeln, erklärte Rolf Specht schon im Frühjahr vergangenen Jahres. Der Bremer Investor will seit Langem Großes in Grohn schaffen: ein Science Center im Science Park – ein Komplex mit Firmen aus der Medizin, der Forschung und Wissenschaft. So lautete Spechts ursprünglicher Plan. Sein neuer sieht nun Büros für Professoren vor, Arbeitsräume und eben Wohnungen für Studenten. Seit März 2017 führt Specht Gespräche mit der Jacobs University.

Viele gute Ideen

Wie weit die Pläne mittlerweile gediehen sind, sagt der Chef der Spechtgruppe, vormals Residenzgruppe, nur so ungefähr. "Es ist ein interessanter Dialog entstanden." Thomas Joppig, Sprecher der Jacobs University, sagt es ähnlich: "Es gibt viele gute Ideen." Unter Dach und Fach ist nach seinen Worten das Projekt aber nicht. "Darum", erklärt Joppig, "gibt es auch noch keine genaue Zahl, wie viele Wohnungen entstehen könnten, und keine konkreten Entwürfe von Architekten."

Und auch keine genauen Angaben darüber, was sich die Uni außer einem College im Science Park noch vorstellen könnte. Dass sie möglicherweise an mehr denkt als an Wohnungen für ihre Studenten, legt zumindest die Vorlage der Baubehörde nahe. In der wird aufgelistet, welche Nutzung zusätzlich zum Wohnen im "Sondergebiet Universität" zulässig ist: Anlagen für kulturelle und sportliche Zwecke werden ebenso genannt wie Verwaltungsgebäude, Labore, Versuchseinrichtungen, Werkstätten und Gastronomie.

Hülsmann am Donnerstag im Ortsamt

Statt mit ihr verhandelt die Spechtgruppe nun mit Geschäftsführer Michael Hülsmann, der das Präsidentenamt bis auf Weiteres übernommen hat. Nach Angaben der Uni wird Hülsmann auch am Donnerstag im Ortsamt sein, wenn die Vegesacker Fraktionen über den Stand der Entwicklungen im Science Park und auf dem Oeversberg beraten – vor allem über die Vorlage der Baubehörde. Die Politiker des Stadtteilparlaments sind die ersten, die sich zu dem Papier äußern sollen.

Andere haben das längst getan. Ihre Vorlage hat die Baubehörde nicht nur mit dem Stab von Finanzsenatorin Karoline Linnert (Grüne) abgestimmt, sondern auch mit dem von Sportsenatorin Anja Stahmann (Grüne) und von Wirtschaftssenator Martin Günthner (SPD). Alle drei sehen ebenso wenig Probleme wie Bausenator Joachim Lohse (Grüne). Laut Vorlage entstehen Bremen weder Kosten bei der Realisierung des Projekts noch gibt es umweltrechtliche Bedenken. Ob der Vegesacker Beirat das genauso sieht, wird sich zeigen. Die Fraktionen tagen am Donnerstag, 12. April, ab 18.30 Uhr im Ortsamt, Gerhard-Rohlfs-Straße 62.

Von Christian Weth - 10.04.2018